
Die Glückwünsche und freudigen Umarmungen rissen nicht ab, als die Pulheimer Hürdensprinterin Samita Schatz nach ihrem Finallauf durch die Katakomben und über die Tribünen des Lohrheidestadions in Bochum-Wattenscheid ging. Die mitreißende Freude der Pulheimer Leichtathletin, der unbändige Stolz ihrer Familie, ihrer Trainerin und der mitgereisten Fans spiegelten eindeutig wider, was Samita in den Stunden zuvor auf der Sprintstrecke vollbracht ist.
Der Sonntagmorgen des 13. Julis begann mit einem früh am Morgen klingelnden Wecker und einer entspannten Anreise nach Bochum Wattenscheid, wo bereits seit Freitag dem 11. Juli die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der Altersklassen U18 (unter 18 Jahren) und U20 (unter 20 Jahren) ausgetragen wurden. Austragungsort war das komplett auf höchste sportliche Ansprüchen sanierte Lohrheidestadion welches im Rahmen der Deutschen Meisterschaften offiziell wiedereröffnet und eingeweiht wurde. Die Voraussetzungen waren also ideal und einer konzentrierten Wettkampfvorbereitung stand nichts im Wege.
So ging Samita gegen 11 Uhr erstmals in die Startblöcke um letztlich ihre Konkurrentinnen über die 100m-Hürden-Distanz in ihrem Vorlauf, dem dritten von insgesamt fünf, mit knapp vier Zehntelsekunden hinter sich zu lassen. Der Vorsprung auf ihre Verfolgerinnen war nach der letzten Hürde bereits so hoch, dass sie die letzten Schritte locker auslaufen konnte. Trotzdem setzte sie mit der Zeit von 13,57 Sekunden ein erstes dickes Ausrufezeichen an die restliche Konkurrenz und setzte sich mit Abstand an die Spitze der Vorlaufzeiten. Nicht weniger souverän sollte das darauffolgende Halbfinale werden. Während Samita mit ihrer Konkurrenz bis zur Hälfte der Strecke noch einigermaßen gleichauf war, konnte sie ihre Stärken über die zweiten fünfzig Meter und die Hürden sechs bis zehn erneut ausspielen. So staunte das Publikum nicht schlecht, als Samita nach der letzten Hürde direkt das Tempo herausnahm und locker ins Ziel auslief. Auch wenn der Zieleinlauf somit um einiges knapper erschien als der Lauf an sich eigentlich war, zeigte Samita erneut ihre Dominanz über das Läuferfeld. Jedoch war die Tatsache, dass Samita nicht bis zur Ziellinie voll durchsprintete kein Anzeichen von Überheblichkeit, sondern eine vorher mit ihrer Trainerin getroffene Absprache, im Falle eines entsprechenden Vorsprungs Kräfte für den Finallauf zu sparen.
Samita ging somit in Topform und als Favoritin mit der schnellsten Zeit des laufenden Wettbewerbs in den Finallauf. Mit Samita, welche in diesem Jahr mit 13,33 Sekunden bisher die zweitschnellste Zeit der weiblichen U20 in Deutschland über die 100m-Hürden-Distanz gelaufen ist, startete auf der Nebenbahn die aktuelle Halterin der deutschen Jahresbestleistung. Der Finallauf war ein Abbild der beiden vorangegangenen Läufe. Während über die ersten 50 Meter noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrer direkten Konkurrentin stattfand, war es erneut die zweiten Streckenhälfte über die die PSC-Athletin ihre Stärken voll ausspielte und ab der fünften Hürde das Läuferfeld ganz klar dominierte. Als unangefochtene Siegerin lief sie in einer Zeit von 13,37 Sekunden und einem sichtbaren Vorsprung von knapp fünf Metern und mehr als drei Zehntelsekunden über die Ziellinie.
Es war der Moment als bei Samita Schatz und ihrem familiären sowie sportlichen Umfeld alle Dämme brachen. Nach zwei missglückten Anläufen in den vorherigen Jahren, in denen sie des Häufigeren in der Favoritenrolle war, aber das Glück letztlich nie auf ihrer Seite stand, ist Samita am Ziel ihrer Träume angekommen. Samita Schatz ist die erste Deutsche Meisterin im Jugend- und Aktivenbereich der Pulheimer Leichtathletik. „Samita, Du bist unser Gold-Schatz“ prangte auf dem Banner, den der Jüngste der mitgereisten PSC-Fans stolz in die Höhe hielt. Und genau dies war in den Gesichtern aller, die es mit Samita hielten, zu lesen. Der Stolz ihrer Familie, ihrer Trainerin sowie aller Pulheimer Fans schwappte über in enthusiastischen Jubel und unzählige Freudentränen.
„Wir alle sind unfassbar Stolz auf Samita. Größten Respekt an ihre Konkurrentinnen, aber niemand hat es in diesem Jahr so sehr verdient wie Samita. Nach den Rückschlägen und geplatzten Träumen in den letzten Jahren, mental so stark wieder zurückzukommen. Von ihrer rein sportlichen Leistung mal ganz abgesehen. Nach mehr als zehn Jahren harter Arbeit endlich die Lorbeeren ernten zu dürfen – einfach der absolute Wahnsinn!“, so die Vereinstrainerin des Pulheimer SC, Nicole Kaminski.
Das gesamte Umfeld von Samita, angefangen bei ihrer Familie, über Vereinstrainerin Nicole Kaminski, dem Landestrainer Hannes Hücklekemkes und dem Nachwuchs-Bundestrainer Björn Sterzel, bis hin zum Vereinsumfeld, alle haben immer an Samitas Potential und ihre Leistungsfähigkeit geglaubt und sie bedingungslos unterstützt. Gerade auch für den Verein und hier insbesondere für die Leichtathletik- und Fitness-Abteilung, ist Samita Schatz ein absolutes Aushängeschild, nicht zuletzt ein absolutes Vorbild für den jungen Nachwuchs, für den Samita mittlerweile ein Idol „zum Anfassen“ ist. Das tägliche Training findet meist auf der eigenen Pulheimer Anlage statt, welche dem sportlichen Erfolg der PSC-Leichtathleten leider seit Langem nicht mehr auch nur ansatzweise gerecht wird, jedoch für Samita der Heimathafen und das Fundament ihres Erfolges ist. „Hier kann ich in Ruhe mit meiner Trainerin arbeiten, mich auf mich selbst konzentrieren, ohne großen Stress und Leistungsdruck. Hier weiß ich was ich habe, eine hervorragende Trainerin und ein Umfeld, was uns vollends unterstützt und ungestört arbeiten lässt. Hier fühle ich mich wohl.“, so Samita. Ein Umfeld, das sich auszahlt. „Es ist einfach nur krass, was in Bochum passiert ist. Es war der perfekte Wettkampf für mich. Ich war auf den Punkt vorbereitet und komplett im Tunnel. Dass aber alle Läufe so gut gelaufen sind, einfach nur geil. Ich glaube ich muss das erst einmal richtig realisieren und verarbeiten. Aber ich bin überglücklich!“, ergänzt sie.
Genau dieses Gefühl will Samita Schatz jetzt konservieren und in die kommenden drei Wochen mitnehmen. Denn direkt nach der Siegerehrung zur Deutschen Meisterin hieß es ab zur Einkleidung beim Deutschen Leichtathletik Verband (DLV). Einmal die komplette Ausrüstung des DLV, vom Trikot über Trainingsanzug bis hin zur Tasche und Socken. Denn am 4. August fliegen die Athleten der Deutschen Jugend-Nationalmannschaft zu den Europameisterschaften im finnischen Tampere vom 7. bis 10. August. In diesem Jahr erstmals mit einer Pulheimer Athletin im Trikot der Nationalmannschaft. Samita Schatz fliegt als aktuell Acht-Schnellste Athletin in Europa mit durchaus guten Chancen auf eine erfolgreiche EM nach Finnland. Für Deutschland – und für den Pulheimer SC.





